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Ethische Urteilsbildung und gesellschaftliches Engagement fördern - Das neue Lehrformat Service Learning im Einsatzfeld Interkulturalität/Migration

Was ist Service Learning?

Das Pilotangebot im WS 2017/18 am ZfS
Service Learning verbindet akademisches Lernen mit gesellschaftlichem Engagement. Im WS 2017/18 hat das Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS) erstmals ein fachübergreifendes Service Learning Modul umgesetzt (gefördert im Rahmen des Projektwettbewerbs Innovatives Studium 2017). Studierende haben sich in interkulturellen Initiativen und Projekten mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ehrenamtlich engagiert (siehe Liste der Kooperationspartner) und ihre Erfahrungen parallel in begleitenden Workshops und Supervisionssitzungen fachlich vertieft und reflektiert. Gerahmt wurden Einsatz und Lernen durch eine Auftakt- und eine Abschlussveranstaltung sowie einen Workshoptag mit EPG-Studierenden, an dem ethische Fragen vertieft diskutiert werden konnten.

 

Verknüpfung mit sozial-ethischen Fragestellungen

Zivilgesellschaftliches Engagement setzt immer auch Vorstellungen von einem guten Leben voraus, für das man sich einsetzt und von Gerechtigkeit. Freiwillige in Initiativen und Vereinen leisten ihren Beitrag zur Gestaltbarkeit von Gesellschaft, sie bringen dabei ihre Werthaltungen mit. Es lag deshalb nahe, die fachliche Einbindung des Service Learning-Angebots durch die Kooperation mit dem Seminar „Verantwortung in der Zivilgesellschaft" zu gewährleisten, eine Veranstaltung im Ethisch-Philosophischen Grundlagenstudium für Lehramtsstudierende, das parallel zum ersten Service Learning Modul angeboten wurde. Mit Blick auf die aktuelle Relevanz stand dabei das Thema Interkulturalität/Migration im Vordergrund.

 

Das EPG-Seminar „Verantwortung in der Zivilgesellschaft"

Gesellschaftliche Problemstellungen, Flucht und Migration als ein Beispiel unter vielen, finden ihren Widerhall auch im Schulalltag. Lehrer*innen sind nicht nur durch heterogene Bildungshintergründe herausgefordert, sie werden konfrontiert mit kulturellen Differenzen, sie werden zu Vermittlern von Toleranz gegenüber Minderheiten und sie müssen sich mit den Hintergründen von Flucht und Migration auseinandersetzen. Alle diese Herausforderungen bedürfen der Sachkenntnis und der ethischen Reflexion, um Orientierung bieten zu können.

Die EPG-Studierenden

  • setzten sich kritisch mit Konzepten von Zivilgesellschaft auseinander,
  • fragten nach der ethischen Rechtfertigung von Grenzen als vorfindlicher historisch/politischer Konstrukte,
  • setzten sich mit Konzepten interkultureller Ethik auseinander,
  • vertieften sich in den Begriff der Toleranz und seine Begründung und
  • diskutierten die Faktoren, die für Integration und Bildungsverläufe eine Rolle spielen, insbesondere die Situation von Geflüchteten, unter dem Gesichtspunkt der Bildungsgerechtigkeit.


Im Seminar „Verantwortung in der Zivilgesellschaft" haben die Studierenden diese Themen im Hinblick auf das zukünftige Berufsfeld der angehenden Lehrer*innen diskutiert. Zugleich haben sie die ethische Expertise erworben, die sie im Rahmen des gemeinsamen Workshoptages zusammen mit den Service Learning Studierenden weitergeben und so für den Theorie-Praxis-Austausch fruchtbar machen konnten.

 

Sozial-ethische Fragestellungen im Service Learning

Die Service Learning-Studierenden lernten bereits während der Auftaktveranstaltung relevante ethische Leitfragen für das Einsatzfeld Interkulturalität und Migration kennen. Sie konnten u.a. folgende Impulse und Fragen als Reflexionsanregung im Verlauf ihres Engagements nutzen:

  • Mit welchen Vorannahmen über die Rolle der Zivilgesellschaft (Werte, Motive) engagiere ich mich?
  • Welches sind meine Vorannahmen über ein Recht auf Migration?
  • Lässt sich bei der Arbeit mit den Flüchtlingen eine gemeinsame ethische Basis erkennen und (wann) zeigen sich Unvereinbarkeiten, die auf ethische Divergenzen schließen lassen?
  • Was bedeutet Toleranz für mich? Was erwarte ich von anderen? Wo sind Grenzen?
  • Was sind meine Vorstellungen von „Integration durch Bildung?" Was davon finde ich in meiner Praxis mit den Flüchtlingen vor?

 

EPG- und Service Learning Studierende im Austausch

Am Ende des Semesters trafen sich  beide Studierendengruppen zu einem  gemeinsamen Reflexionsworkshop.  Zunächst wurden die Ergebnisse des  EPG-Seminars in kondensierter Form  vorgetragen, dann konnten in  Gruppendiskussionen mit wechselnder  Zusammensetzung die Service Learning  Studierenden ihre Erfahrungen  einbringen  und auf dem Hintergrund der  philosophischen und  sozialwissenschaftlichen Erträge des  EPG-Seminars diskutieren. Die Atmosphäre des ganzen Tages war anregend, arbeitsam und lebendig. Beide Studierendengruppen profitieren von der Kooperation und zeigten sich begeistert.
Auch in der Abschlussveranstaltung des Moduls wurden die ethischen Fragestellungen zusammen mit den begleitenden Workshop- und Supervisionsangeboten wieder aufgegriffen und in Gesprächen und in kreativer Darstellung zu einem Ganzen zusammengefügt. Im Feedback zeigte sich, dass die Reflexion der ethisch-philosophischen Dimension für die Studierenden persönlich von großer Bedeutung war und der Austausch mit den EPG-Studierenden begeistert hat.

 

Stimmen der Service Learning Studierenden:

„Das EPG-Seminar war mein persönliches Highlight des Service Learning Kurses. Das Seminar ermöglichte die Vernetzung der praktischen Erfahrungen aus dem Ehrenamt mit theoretischen Wissen durch die EPG-Studierenden und steht damit quasi exemplarischen für den Anspruch des Service Learning Kurses – die Verbindung von universitärem Lernen mit gemeinnützigem Engagement."


„Besonders der selbst geleitete Austausch in Kleingruppen mit den EPG-Studierenden war sehr bereichernd. Ich denke, dass bei diesen Diskussionen beide Seiten neue Einsichten und Ideen zur weiteren Auseinandersetzung mit den jeweiligen Themen erlangt haben."


„Von der Möglichkeit die eigene Praxiserfahrung im EPG-Seminar durch theoretisch fundiertes Wissen zu untermauern, habe ich im gesamten Service Learning Kurs mit am meisten profitieren können."


„Der EPG-Reflexionstag war für mich eine äußerst bereichernde Erfahrung. Durch das Zusammenkommen der theoretischen Perspektive seitens der EPG-Studierenden und der praxisnahen Perspektive von uns SL-Studierenden blieb die so wichtige Diskussion ethisch-philosophischer Fragen nicht theoretisch, wie es in der Philosophie oft der Fall ist, sondern bekam durch unsere Praxiserfahrungen einen sehr konkreten Realitätsbezug. Es war unheimlich schön, zu merken, wie sehr uns der theoretische Beitrag der EPG-Studierenden zum Nachdenken über unser Denken und Handeln gebracht hat, aber auch wie dankbar die EPG-Studierenden waren, die Relevanz und Gültigkeit ihrer erarbeiteten Theorien anhand unserer Erfahrungen prüfen zu können. Hier kam endlich mal Theorie und Praxis zusammen!"

 

Aus der Studierendenevaluation des EPG-Seminars:

„Tolles, abwechslungsreiches Seminar"


„Großartiges Event! Gelungenes Seminar!"


„Sehr interessante Themen mit Relevanz für Praxis."


„Zivilgesellschaftliches Engagement auch aus anderen Bereichen mehr anschneiden"

 

Wie geht es weiter?

Das letzte Desiderat wird wohl keines bleiben, für das kommende Wintersemester sind dank einer weiteren Förderung im Rahmen des Projektwettbewerbs Innovatives Studium 2018 Service Learning Angebote für die Themenfelder Umwelt und Nachhaltigkeit sowie Politische Interessenvertretung geplant. Das Angebot zu Interkulturalität/Migration soll parallel dazu realisiert werden.

 

Kooperationspartner

im WS 2017/18:

  • Studierendenwerk Freiburg
  • Uni für Alle
  • step stiftung freiburg
  • Jugendhilfswerk Freiburg

 

Im SoSe 2018 zusätzlich:

  •  Amt für Schule und Bildung
  • zusammenleben e.V.
  •  Freiburger Amnesty International Hochschulgruppe

 

Barbara Skorupinski

Arbeitsstelle für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium (EPG)

Tel.: 0761/203-9253